Politisch aktiv werden schwer gemacht

Es ist also tatsächlich passiert. In den USA wird Trump zum Präsident werden und damit werden Werte und Positionen Gewicht in der internationalen Politik bekommen, wie sie widerlicher kaum sein könnten. So gerne man jetzt Witze über „diese verrückten Amerikaner“ macht, so sehr muss einem auch bewusst sein, dass uns hierzulande mit der AfD eine ähnlich eingestellte Gruppierung im Bundestag droht. Um den Schaden zu minimieren haben wir jetzt noch fast genau 1 Jahr und am Tag nach der US-Wahl wird der Ruf nach politischer Aktivität immer lauter. Zeit mal laut nachzudenken, was – und vor allem wo – man das tun könnte.

Das einflussreichste und offensichtlichste Betätigungsfeld wären wohl die Parteien. Gäbe es da eine, die mich irgendwie einfangen würde, wäre ich da wohl schon eingetreten. Die Positionen der CDU sind für mich vollkommen indiskutabel. Familien-, Bildungs-, Innen-, Netzpolitik, alles so ziemlich genau das Gegenteil von dem, wie ich die Welt gerne hätte. Die SPD, oder was noch von ihr übrig ist, ist völlig ohne Visionen, in der Praxis ohne eigene Positionen und hat niemanden, dem ich zutrauen würde irgendwas, irgendwie positiv umzusetzen. Nein danke. Die Grünen fand ich früher mal ganz gut, aber die lassen ihre Prinzipien ja gerne links liegen, vor allem wenn es dann tatsächlich an die Macht geht. Von Pazifismus keine Rede mehr und die Zukunft dieser Partei sieht mir leider viel zu sehr nach Kretschmann und viel zu wenig nach Trittin aus. Die Linkspartei ist vom Programm her grundsätzlich sympathisch. Frieden, Umwelt, Gerechtigkeit: alles drin ohne viele Kompromisse. Ist nur die Frage wie handlungsfähig die tatsächlich sind. Sind die wie diese linken Unigruppen, die vor lauter Diskussion über die richtige Schreibweise von „Mitglieder“ nicht mehr zu echter Politik kommen? Haben die im Westen ein Wählerpotential von >10%? Die kleineren Alternativen wären sowas wie die FDP. Da hätte man jetzt sicher die Möglichkeit schnell „was zu werden“. Leider sind die inhaltlich und personell ein kompletter Witz. Wer tatsächlich glaubt, der neoliberale Markt würde irgendwas zu Vorteil der Gesellschaft regulieren ist dumm, wer das den Anderen verkauft um damit seinen eigenen Vorteil zu zementieren ist böse. Piraten hatten wir hier ja schon mal, das Thema ist aber inzwischen komplett durch.

Außerparlamentarische Gruppen sind dagegen eine feine Sache. Greenpeace bekommt mein Geld, der CCC meine tatkräftige Unterstützung aber das betrifft jeweils nur relativ eng begrenzte Teilbereiche der Gesellschaft. Irgendjemand muss doch mal an eine umfassende Richtung für das alles denken.

Bleibt noch sowas wie Demonstrationen, Petitionen und politisch frustrierte Blogposts. Die ersten beiden Möglichkeiten sind heutzutage dermaßen duschritualisiert, dass sie nicht mehr weiter auffallen und damit auch nichts mehr bewirken. Meine ollen Blogposts liest kaum jemand und ob man damit überhaupt irgendwas bewirken kann ist mehr als fraglich.

Was dann am Ende des Tages übrig bleibt ist das Politische im Privaten. Meinungen haben und gegenüber anderen vertreten ist wichtig. Sich so verhalten, wie man den Rest der Welt gerne hätte macht die Welt schon mal ein Stückchen besser. Ob das dann aber reicht, wenn alles um einen herum gefühlt in rechtspopulistischem Blödsinn versinkt bleibt fraglich.

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