07
Apr 10

Das gute Gefühl moralischer Überlegenheit – Die Gartengeschichte Teil 3

Category: Allgemein |

Nach viel Gerede, Überlegen und etwas Telefonieren schien die Geschichte ja jetzt geklärt. Ich behalte meinen alten Garten, der neue Bewohner bekommt von den Vermietern einen neuen. Da haben wir allerdings noch nicht mit der Verbohrtheit gewisser Bewohner aus gewissen sozialen Schichten gerechnet.
Bei einem Gespräch, dass wir im Flur stehend absolvieren mussten und in dem ich den jungen Herren eigentlich nur von der Entscheidung in Kenntnis setzen wollte erklärte er mir, dass er auf den Garten bestehen wird, weil der ja neben dem seiner Tante liegen würde und damit ja auch die Wohnung beworben wurde. Ausgehend von der Entscheidung der Wohnungsgesellschaft sah ich mich aber im Recht und beschloss erstmal nix zu tun. Eine Gelassenheit, die besagte Tante allerdings nicht teilen wollte, fand ich doch meinen Rosenbogen vor ein paar Tagen auf mein Grundstück gekippt (er hatte einen kleine Sturmschaden und hing ein bisschen über den gemeinsamen Weg).
Die Fronten waren also geklärt, die Nachbarin kampf- und nicht kompromissbereit.
Da wir ja vernünftige Menschen sind beschlossen wir, die Sache anders zu regeln. Gestern Vormittag hat sich meine herzallerliebste also zur Vermietergesellschaft auf gemacht und die Situation geschildert. Da ist man vom Verhalten der beiden (Tante und Neffe) selbstverständlich wenig begeistert und hätte es schon aus Prinzip lieber gesehen, wenn wir den Garten behalten hätten. Allerdings habe man auch Verständnis dafür, dass wir unseren Sommer nicht neben ewig keifenden Menschen verbringen wollten. Wenn wir das also mit den Menschen, die den Garten, der ursprünglich zu unserer Wohnung gehört, nutzen klären, dann könnten wir auch im Garten umziehen.
So sind wir dann ins mittlere Haus gegangen und nach kurzem Gespräch war klar, dass man den Rasen nur deswegen noch gemäht hat, damit man keinen Ärger bekommt. Den Garten hätten wir auch schon letztes Jahr übernehmen können. Zweiter Schritt, ab in den Baumarkt, Spaten, neuen Rosenbogen und Rindenmulch gekauft und los ging’s. In zwei Tagen haben wir jetzt den alten Garten komplett zerstört und den neuen so angelegt, dass man sich dort wohlfühlen kann. Damit hatte man bei den Herrschaften, die jetzt den Garten übernehmen können nicht gerechnet.
Eine andere (nette) Bewohnerin das Hauses ganz links hat mir dann erzählt, dass sich der Herr Neffe ernsthaft darüber beschwert hat, wie denn der Garten jetzt aussehen würde, so würde er den nicht übernehmen wollen. Anscheinend wollte er sich lieber in’s gemachte Nest setzen. Das haben wir ihm allerdings gründlich vermiest und auch bei der Wohnungsgesellschaft wurde ihm unmissverständlich klar gemacht, dass das Stück vor unserem Anfang noch schlimmer ausgesehen hätte und er halt mal dafür arbeiten müsse. Tja…
Ich bilde mir jetzt jedenfalls ein, dass der neue Garten viel schöner ist, der Rasen ist gerader, die Ecken sind weniger dreckig und es gibt wesentlich weniger Unkraut. Außerdem kann ich mich unter meinem Pavillon in Zukunft moralisch hoch überlegen fühlen und habe mindestens einen Menschen auf der Welt, zu dem ich schon nicht mehr nett sein muss. Fräulein hat nämlich tatsächlich versucht mir freundlich ins Gesicht zu grinsen, was ich aber nicht erwidert habe.
Mal gespannt wie hinten in der Ecke jetzt was passiert.


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Posted on Mittwoch, April 7th, 2010 at 23:18 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
2 Comments so far

  1. 1 terter on April 7, 2010

    moralisch ueberlegen waere gewesen wenn du dir den kleinen racheakt mit dem “In zwei Tagen haben wir jetzt den alten Garten komplett zerstört” verkniffen haettest. so ist das kleinkrieg wie du mir so ich dir.

  2. 2 fidepus on April 8, 2010

    Die Zerstörung war ja kein Selbstzweck sondern resultiert daraus, dass ich meine Pflanzen natürlich mit in den neuen Garten genommen habe. Das war also keine Bosheit und ich habe die Löcher sogar wieder zugekippt. Von daher fühle ich mich da kein bisschen schlecht.

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