19
Aug 10

Inception Handling

Category: Allgemein |

Unverständnis, Lachen, doppelte Gesichtspalmierung, Panik. Nur einige der Reaktionen die ich erhalte wenn ich sage: “Inception? Fand ich eher langweilig.” Ich denke auch dieser Post über den meist gehypten Film des Sommers wird bei vielen Leuten auf Unverständnis stoßen, aber es muss jetzt mal gesagt werden.
Fangen wir beim Regisseur an. Christopher Nolan hielt ich lange für recht unfähig. Ziemlich genau die fünf Jahre zwischen dem höchst furchtbaren und mit den uninteressantesten Charakteren ausgestatteten “Memento” und dem genialen und zukunftsweisenden “Batman Begins”. Mit “The Dark Night” hat er sich, so dachte ich, dann endgültig einen Platz ganz oben verdient und jetzt das.
Der Film macht mich zu Anfang schon extrem müde damit, dass er sich in ewigen Einführungen in eine Welt aus pseudo-Wissenschaft und Mystik ergeht, die zwar sehr bemüht wirken, die Erschaffung einer kohärenten Erzählwelt allerdings immer knapp verpassen. Zwischendurch bleibt das Gefühl, dass beim Verfassen des Drehbuchs am Anfang Dinge vergessen wurden, die dann später, ähnlich einem Deus Ex Machina, nachgereicht werden müssen. So wirkt der ganze Film unüberlegt und man bewegt sich auf unsicherem Terrain, weswegen man sich nicht richtig auf die erschaffene Welt einlassen kann. Für gewollt halte ich das mit dieser Methode nicht und wenn doch, dann war das eine schlechte Entscheidung. Die beiden hervorstechensten Beispiele sind “der Chemiker”, der erst eingeführt wird, nachdem das Traummanipulieren mit dem kleineren Team und seinen Spezialisten schon als funktionierend und professionell akzeptiert wurde und der Limbus, der als sehr wichtig und bedrohlich dargestellt wird und in dem der Hauptdarsteller viele Jahre seines geistigen Lebens verbracht hat, den er aber vorher, bei der sehr detaillierten Einführung der neue Architektin, die ja ein Wunderkind und extrem wichtig für das ganze Unterfangen ist, nicht erwähnt und der erst auftaucht wenn man ein weiteres Problem und einen Ort zur Auflösung der Geschichte braucht, damit der Film endlich enden kann (was er dann eine gefühlte Ewigkeit doch noch nicht tut).
Inkohärent ist der Film auch in seiner Entscheidung welchem Genre er denn jetzt zugeordnet werden möchte. Es wechselt ein uninteressanter, weil meiner Meinung nach in seinen Bildern wenig innovativer Actionfilm (Schwerelosigkeit, extreme Zeitlupen, Explosionen, alles so oder so ähnlich schon da gewesen) mit einem Drama, das für sich alleine vielleicht sogar funktionieren könnte. Leider kreisen beide Filme ständig umeinander ohne sich wirklich zu treffen und irgendwo eine Einheit zu bilden.
Viele Diskussionen gab es innerhalb der Gruppe, mit der ich den Film gesehen habe, darüber, ob der Film auch Logische Fehler enthält. Alle Traumebenen müssen nämlich vom Architekten mühsam geplant, gebaut und aufrecht erhalten werden. Der Limbus jedoch scheint für alle gleich zu sein, auch, wenn er sich im Traum eines anderen Erbauers befindet, außerdem hat ihn wohl nach dem Protagonisten und seiner Frau niemand mehr betreten, denn alle Gebäude stehen noch, niemand hat ihn mehr verändert. Seltsam, wenn diese Art von gemeinsamem Träumen so ein alltägliches Unterfange ist. Das kann meiner Meinung nach aber durchgehen, wenn man die anderen Spontanänderungen in der Weltenlogik der Films betrachtet, die ich oben schon angesprochen habe.
Am Schluss steht die einzige Stelle, die ich als wirklich spannend empfand. Fällt der Kreisel um? Ist dies nur ein weiterer Traum? Wir erfahren es nicht und dürfen spekulieren. Dazu bleibt auch weiterer Raum. Was ist mit dem Ehering? Ist er das wahre Totem? Der gemeinsame Limbus könnte ein weiterer Hinweis auf einen Traum sein und auch die Kinder, die nicht zu altern scheinen. Als der Film aber aus und der Abspann gelaufen war, war mir das alles aber schon wieder relativ egal. Ich war froh, dass es vorbei war.
Noch ein Wort zu den Schauspielern. Ich habe mir vorgenommen mir keine Filme mit diCaprio anzusehen, weil der mich jahrelang von der Zimmertür meiner Schwester angestarrt hat, im Hintergrund ein Schiff, das bald sinken sollte. Bis “Inception” habe ich das auch durchgehalten. Ich kann allerdings immer noch nicht verstehen warum man den irgendwie toll finden sollte. Auch weitere Glanzleistungen waren für mich nicht auszumachen, bis auf Joseph Gordon-Levitt vielleicht, den man hierzulande noch am ehesten aus “Hinterm Mond gleich links” kennt.
So, jetzt dürft ihr auf mich eindreschen, aber ich will mein versprochenes Flattr! ;-)


by fidepus | About the author:

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Comments


Posted on Donnerstag, August 19th, 2010 at 10:33 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
3 Comments so far

  1. 1 Russian_Woodpecker on August 19, 2010

    Kann nur zustimmen.
    Die Grundgeschichte hatte m.E. Potential, aber ich hätte mir eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Drama-Aspekt des Films gewünscht, verbunden mit interessanten Fragen, die der Film aufwirft:
    Kann man zwischen Traum und Realität überhaupt scharf trennen?
    Welche Rolle spielt die “Realität” noch, wenn man im Traum quasi gottähnlich leben kann?
    Findet “Realität” nicht sowieso im Kopf statt und damit ist der Unterschied irrelevant?

    Warum der Film so gehypt wird, ist mir ein Rätsel.

  2. 2 So Do Media on August 19, 2010

    ich hätte bei dem ganzen hype wirklich mehr erwartet und kann dir in deiner Kritik nur recht geben.
    die Story ist mies und visuell hätte Nolan ja alle Möglichkeiten gehabt, weil der film über weite Strecken im Traum spielt. Statt dessen opfert er diese Möglichkeit um den Zuschauer mit seine “was ist den jetzt die Realität” Gewichse zu nerven.

    Auch wenn eXistenz von Cranberg ebenfalls kein Galnzstück ist sind die Parallelen eindeutig zu erkennen. Ich will nicht unterstellen, dass er kopiert hat, aber er hat dem Gerne auch einfach nichts neues hinzugefügt.

  3. 3 Juli Winter on August 19, 2010

    Meine Rede! Langweiliger Film, überzeichnete Dramatik ohne Einbettung in den Gesamtkontext, ebenso konzeptlose Actionszenen und eine Story, die irgendwie unausgegoren wirkt und darüber hinaus tatsächlich uninteressant erzählt wurde!

    Stimme dir in allen Punkten zu – ein völlig überschätzter Film!

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